Mit dem Glück ist das so eine Sache… 1


Der italienische Dichter Giacomo Graf Leopardi hatte in seinem recht kurzen Leben wahrlich alles andere, als denn einfach nur mal Glück. Wie gewichtig erscheint dann der Wortgehalt, wenn man diesen Mann zitiert: Ich habe geweint, weil ich keine Schuhe hatte – bis ich einen traf, der keine Füße hatte.

Bank_im_Wald_01Glück ist also etwas sehr Relatives. Ein Grund mehr, sich diesem Thema eingehender zuzuwenden.
The Game Of Happiness. So lautete der Untertitel des von mir am vergangenen Freitag in Frankfurt besuchten Vortrages von Veit Lindau, dem bekannten Coach und Bestseller-Autor von „Heirate Dich selbst“.

Etwas schräg übersetzt also das Spiel mit dem Glück. Irgendwo las ich vor langer Zeit einmal den Spruch „Glück ist wie ein nasses Stück Seife. Je fester man es glaubt zu halten, umso eher glitscht es einem aus den Fingern.“ Wie bei allen Sprüchen dieser Art schmunzelt man beim Lesen, nickt kurz, weil der Inhalt doch sehr nah am wahren Leben ist, …und vergisst ihn schnell wieder.

Veit Lindau ist nicht nur ein begnadeter Redner, er recherchiert die Themen, mit denen er sich beschäftigt, auch bis ins kleinste Detail. Daraus ergibt es sich, dass in solch anderthalb Stunden Vortragszeit am Abend unendlich viele Randbereiche ganz kurz mit angeschnitten werden, die, jeder für sich alleine betrachtet, schon einen eigenen Vortrag wert wären.

So gab der Coach beispielsweise auch den Rat, man möge den Tag mit der klaren Zielsetzung „es wird ein guter Tag, ich bin heute glücklich“ beginnen, bevor man sich auf eine Konfrontation mit den weltlichen Tagesthemen einlässt. Fünf bis zehn Minuten nach dem Aufstehen in eine Meditation mit dem Fokus auf das eigene Glück investieren, bevor man zur Tageszeitung greift oder die Nachrichten im Radio verfolgt, können ungemein zur eigenen positiven Verfassung und somit über die an den Tag gelegte Ausstrahlung tatsächlich zu einem glücklichen Tagesverlauf führen.

Jetzt ist der Gedanke an sich mir nicht unbedingt neu. Ich unterhalte mich oft mit Bekannten, die mit purer Absicht einen ständigen Bogen um jede Form von Nachrichten machen. Deren Argument: „warum soll ich mich mit etwas belasten, was ich ohnehin nicht ändern kann“. Der Weltverbesserer in mir versucht dann immer wieder aufs Neue zu erklären, dass sich tatsächlich niemals etwas zum Positiven ändern wird, wenn jeder so denkt. Und außerdem kann man sich doch gar kein Urteil darüber erlauben, ob man etwas ändern kann oder nicht, solange man sich noch gar nicht damit beschäftigt hat.

Letztendlich sind diese Diskussionen müßig, denn Recht haben beide Seiten. Die wahre Kunst ist es eigentlich nur, eine Grenze zu ziehen zwischen dem vernünftigen Maß an Information zur richtigen Zeit auf der einen Seite und dem sich in Ablenkung oder auch Schwarzmalerei Verlieren auf der anderen Seite.
In der richtigen Menge, will heißen im richtigen Verhältnis zu den eigenen Kräften eingesetzt, ist die Aufnahme von Informationen Gold wert. Nur: wie findet man diese Grenze?

Der Mensch ist in seiner Suche nach Glück leider sehr leicht beeinflussbar. Statt sich eigene Gedanken zum glücklich werden zu machen, ist es viel einfacher, an den Lippen anderer zu kleben, die von sich behaupten den Weg zum Glück bereits gefunden zu haben. Gute Marketings-Strategen verwenden von je her selbstverständlich dann auch die Redewendung, den Weg zum „einzigen“ Glück garantieren zu können. Die Geschichtsbücher, ja leider auch die aktuellen Nachrichten zum Weltgeschehen, sind randvoll von solchen Berichten.

Dazu kommt dann noch der Fakt, dass es immer viel leichter fällt, einem negativen Gedanken zu folgen, als denn aus einem vorliegenden Zustand das Positive heraus zu deuten. Wer kennt nicht das Gefühl, wie es beispielsweise aufkommt, wenn man mit Erschrecken feststellt, dass man vor einem bereits zur Hälfte leeren Glas sitzt? Man weiß genau, in wenigen Schlucken hat das Durstlöschen ein jähes Ende. Und unvermeidbar kreisen alle Gedanken nur noch um den derzeit – eigentlich noch gar nicht sichtbaren – Boden dieses Glases.

Hilft es da wirklich, wenn man neben sich einen Menschen sitzen hat, der freudestrahlend darauf hinweist, man solle doch „positiv denken„, das Glas sei doch immerhin noch halb voll. Welche Regung zeigt sich wohl zuerst im eigenen Geiste? Ein Umdenken zum „er hat ja recht; alles ist gut“? Oder doch eher ein Zucken in der rechten Faust, um die vermeintliche Klugschwätzerei tatkräftig zu beenden?

Vielleicht bedarf es viel Training, bis aus der aufzubringenden Selbstbeherrschung eine vollkommene Selbstverständlichkeit wird. Es bedarf sicherlich zudem einem immer wieder wiederholten Wachrütteln, um das eigene Gedankengut auf das zu richten, was man tatsächlich schon hat, statt immer nur dem nachzutrauern, was denn vermeintlich noch fehlt.

Der Weg dahin mag aus der heutigen Sicht heraus etwas im Verborgenen liegen. Aber gehen wir doch erst einmal den ersten Schritt! Von dort ist die Sichtweise eine ganz andere. Nehmen wir also noch einen Schluck aus dem „nur noch halb vollen“ Glas. Aber lassen wir ihn ein wenig auf der Zunge zergehen. Genießen wir den Schluck!
Und wer weiß, vielleicht kommt dann auch schon die Kellnerin vorbei, und bringt unaufgefordert ein neues, ein volles Glas.

Ich für meinen Teil nehme mir jetzt vor, durchaus demnächst einmal darauf zu achten, nicht aus dem Bett zur Kaffeemaschine und von dieser zum Notebook auf die Seite von Google News zu starten. Für die Nachrichten ist eigentlich auch später am Tag auf dem Weg zur Arbeit noch Zeit. Ob es was bringt? Nun, ich hätte hierzu noch einen weiteren Spruch auf Lager: „Versuch macht kluch!“

 

Sei glücklich. Lebe. Du bist frei!
your philosution!

 


philosution-music-link zum Thema: der zum Film „Besser geht’s nicht“ abgewandelte Monty Python-Klassiker „always look on the bright side of life“

 


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Ein Gedanke zu “Mit dem Glück ist das so eine Sache…

  • Hosting

    Dafur kann er moglicherweise dankbar sein, aber Gluck hat wenig mit Dankbarkeit zu tun. Es ist eine wahlerische Zicke, die sich erst dann beseelt fallen lassen kann, nachdem ihr alle moglichen Hindernisse aus dem Weg geraumt worden sind.