Welchen Wert hat die Gesundheit?


Solange man gesund ist, macht man sich darüber keine Gedanken. Es ist so schrecklich selbstverständlich, dass man gesund ist. Und alles Reden und Aufzeigen von Außenstehenden ändert rein gar nichts an dieser Sichtweise. Es gibt wohl  kaum einen Menschen auf diesem Globus, der den Werdegang, oder genauer gesagt den leidvollen Abgang des Gründers der Computerfirma mit dem Apfel nicht zumindest am Rande mit verfolgt hat. Dieser Mann verfügte über Geldmittel, deren Menge sich ein Durchschnittsmensch überhaupt nicht vorstellen kann. Hat ihn das am Leben gehalten? Konnte er sich mit all seinem Vermögen Gesundheit kaufen?

Aber was viel schlimmer ist: haben wir, die überlebenden Beobachter, aus dieser Geschichte irgendetwas gelernt? Wenn ich mir all die Menschen anschaue, die weiterhin eine Zigarette anzünden oder ohne Helm Motorrad fahren oder irgendwelchen anderen Schabernack mit ihrem Körper anstellen, bin ich doch schwer am zweifeln.

Was sind die normalen Glückwünsche, die man – insbesondere zu den Geburtstagen – immer wieder zu hören bekommt? Glück, Erfolg, ja klar. Aber vor allen Dingen Gesundheit und ein langes Leben bekommt man da gewünscht. Haben wir als Empfänger dafür mehr als ein halbherziges „ja, ja“ übrig? Die Glückwunsch-Floskeln sind so abgedroschen und allgegenwärtig, dass wir uns mit dem Inhalt der Worte schon lange nicht mehr beschäftigen.

Ein Schulkamerad von mir leidet bereits seit vielen Jahren an einem Gehirntumor. Dennoch hat er seine Lebenslust nicht verloren. Und so schlimm seine Erkrankung auch ist, sie hat ihm vor allen Dingen sogar einen Mehrwert gebracht. Er sieht das Leben und den Umgang der Lebewesen untereinander aus einer deutlich differenzierteren Perspektive. Wann immer es ihm der Gesundheitszustand erlaubt, wird er nicht müde, Versuche zu unternehmen, seinen Mitmenschen diese aufs Wesentliche konzentrierte Sichtweise zu vermitteln. Mit Faszination verfolge ich seine Postings auf Facebook. Aber mit ebenso großem Erstaunen kann ich auch die ihn erreichenden Kommentare mitlesen. Einem absehbar unheilbar Totkranken noch Gesundheit zu wünschen mag gut gemeint sein, grenzt aber eigentlich schon fast an Hohn.

Aber was wünscht man einem Menschen, der nur noch einen Wunsch hat, der nicht mehr in Erfüllung gehen kann? Nein, die Fragestellung muss weiter vorne ansetzen. Was muss passieren, damit man sich überhaupt wirklich tiefgreifende, richtungsändernde Gedanken über solche Wünsche macht?

Es ist auch schon wieder weit über ein Jahrzehnt her, dass ich auf der Beerdigung einer Freundin stand und der Pfarrerin lauschte, die darauf hinwies, dass der Blumenschmuck und die Lieder noch von der Verstorbenen selbst ausgesucht worden waren. Leukämie. Einige Jahre verzweifelt gekämpft. Am Ende dann doch erfolglos. Irgendwann der Tatsache ins Auge gesehen, dass der letzte Tag absehbar wird. Und angefangen, auf genau diesen hin zu arbeiten.

Eine Frage, die sich vielleicht auch manch einer schon mal gestellt hat: was würde man tun, wenn man wüsste, dass man nur noch exakt 100 Tage zu leben hat? Womit verbringt man diese Tage? Womit füllt man sie? Tut man etwas für sich oder lieber für andere? Ist das Tun für Andere nicht letztendlich genau der geistige Gewinn, mit dem man selbst zufriedener auf das Ende blickt? Was hat denn überhaupt noch einen Wert?

Der Begriff „Wert“ ist in durchaus in unterschiedlicher Form auszulegen. Grobe Überschriften könnten da lauten: „materielle Werte“ und „geistige Werte“. Zahllose große Denker der Vergangenheit wie auch der Gegenwart haben schon genauso unzählig oft darauf hingewiesen und immer wieder den Beweis erbracht, dass es ausnahmslos die geistigen Werte sind, die am Ende zählen. Und doch dringt dieses Wissen nur schwerlich in unser Bewusstsein durch. Ist denn Gesundheit eigentlich ein geistiger Wert oder eher nur ein materieller?

Den Gedanken an unsere Gesundheit sollten wir öfter in den Vordergrund stellen. Uns Fragen über Selbstverständlichkeiten stellen. Werte definieren, die uns das Erkennen aller Sinne in jedem Augenblick bringt. Na, wer bekommt aus der Pistole geschossen alle fünf Sinne aufgezählt? Oder waren es nicht doch eher sechs Sinne? Gar nicht so einfach, nicht? Und auch das liegt nur daran, dass wir hier das Wunder des Lebens als pure Selbstverständlichkeit hinnehmen. Ist es nicht! Darüber nachdenken lohnt sich.

Habt ein langes und gesundes Leben!

your philosution

 

 

Mit dem Song zum heutigen Blogeintrag gehen wir ein bisschen zurück in der Discogeschichte. Lautsprecher auf Maximum stellen, mit tanzen und immer dran denken: It’s a beautifull life!

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