Wenn die Sintflut kommt, baue Schiffe, keine Deiche.


Jahre sind vergangen seit meinem letzten Eintrag in diesem Blog. Man könnte meinen, auch das Projekt philosution sei zu einem der unzähligen Datengräber geworden, die es im Internet bereits gibt. In elektronisch dokumentierter Form, sprich hier auf der Website, ist dem vielleicht sogar so. Aber der zugrunde liegende Kerngedanke lebt wie eh und je! Als unbekannter und nur sehr selten publizierender Blogger ist der Einfluss auf die Leserschaft jedoch nur sehr überschaubar. Suchen und Finden von Gleichgesinnten war und ist mir daher mehr ein vorrangiges Ziel, als eigene Präsenz im World Wide Web.

Wir leben in einem demokratischen Staatswesen innerhalb eines demokratischen, den Kontinent überspannenden Staatenverbundes. Was liegt da näher, als geistige Gesinnungsgenossen im Bereich der Politik zu suchen. Dieser Exkurs meiner Aktivitäten führte letztendlich dann in den letzten Jahren nebenbei zu der ungewollten Schweigsamkeit hier im Blog.

Fündig geworden bin ich an vielen Stellen. Vor allen Dingen bei einem sozialliberalen Verein, der es sich eigentlich schon zur Gründungsaufgabe gemacht hatte, gleichgesinntes Gedankengut zu bündeln und auf diese Art und Weise im politischen Spektrum auf europäischer und bundesdeutscher Ebene eine wirklich gehörte Stimme zu erschaffen. Es ist eine sehr motivierende Erfahrung, wenn man erkennt dass solche Bürgerinitiativen und Vereine europaweit in Entstehung befindlich sind. Sicherlich werde ich diesem Thema bei Gelegenheit einen eigenen Blogeintrag widmen.

Heute jedoch will ich das Comeback nach der langen Funkstille mit einer Buchempfehlung beginnen. Ein aus meiner Sicht positiver Nebeneffekt der noch immer nicht vollständig ausgestandenen Covid19-Pandemie ist es, dass im Trubel der politischen und durch die mediale Effekthascherei aufgebauschten Berichterstattung deutlich mehr Wissenschaftler Gehör finden. Darunter auch ein Mathematiker, der mir mit seinen Werken absolut vom Herzen spricht: Gunter „WildDuck“ Dueck.

Mit seinem aktuellen Buch „Heute schon einen Prozess optimiert?“ aus dem Jahr 2020 tritt er mehr oder minder in genau die Falle, die mir rund um die philosution immer wieder zum Vorwurf gemacht wird: Kritik ohne Lösungsvorschlag. Dabei wird gerade in diesem Buch überdeutlich, wie einfach – und doch gleichzeitig offensichtlich fast unmöglich – die Lösung der Kernprobleme wäre: schlicht und ergreifend das Annehmen (!) und Akzeptieren (!) der Kritik. Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung, so weiß es selbst der Volksmund schon zutreffend.

Ich will an dieser Stelle nicht spoilern, denn die Lektüre des durchaus mit einiger Ironie sehr humorvoll gewürzten Buches ist es wert, selbst einen Blick hineinzuwerfen. Der Autor schafft es, den Fehler im System (von ihm harsch „Neurose“ genannt) aus verschiedensten Blickwinkeln in unserem normalen Alltag immer wieder aufzuzeigen. Egal, ob denn die Fahrt mit der Deutschen Bahn, die Mitarbeit in einem Großkonzern, der Gang zum Amt oder auch nur das Essen in einem Fast Food Restaurant, die Standardisierung und damit verbundene Unterdrückung jeglicher Innovation wird selbst für aktiv Wegschauende unübersehbar.

Ich glaubte es zuerst nicht, dass es Begriffe wie „McDonaldisierung“ und „Uberisierung“ tatsächlich gibt. Ein Blick ins Internet zeigte mir jedoch, dass diese Substantive inzwischen im regulären Sprachgebrauch der Wirtschaftler angekommen sind. Natürlich war ursprünglich jedes dieser Phänomene zur Verbesserung der Gesamtsituation, zum Heben von Effektivität, zum Verdienen von mehr Geld gedacht. Aber genauso, wie man ein Gewehr, das durchaus Sinn macht um die zum Überleben erforderliche Jagd zu vereinfachen, auch missbräuchlich zum Durchsetzen eigener Willensbildung verwenden kann, wandelte sich die Anwendung der Optimierungssucht irgendwann ins Negative.

Eine Verbesserung der zukünftigen Entwicklung besteht also nicht darin, irgendeine vordiktierte Lösung umzusetzen, sondern darin, den Fehler im System zu akzeptieren und diesem aktiv entgegenzuwirken. Grundlegende Veränderungen in der schulischen und universitären Ausbildung, ein Wandel in der Wertebetrachtung beruflicher Tätigkeit, ein Überdenken der Lebensgrundwerte, all solche, all solche Themen sind es, die hier zusammen spielen müssen.

Wie gesagt, einfach selbst ein Blick ins Buch werfen, das Lesen lohnt sich! Ich hänge auch gerne gleich noch eine weitere Werbung für diejenigen an, denen die Zeit oder die Möglichkeit zum Lesen des Buches fehlt: es gibt auch eine hervorragende Hörbuch-Fassung gesprochen von dem für solche Werke regelrecht prädestinierten Theaterschauspieler Matthias Lühn. In der Printversion existieren zwar ein paar Grafiken, aber dem Gesamtverständnis des Stoffes tut es keinen Abbruch, wenn man diese nicht vor Augen hat. (Vielleicht sollte ich irgendwann über ein Affiliate-Programm nachdenken, wenn ich solche Empfehlungen hier öfter ausspreche…).

Der einzige gesellschaftliche Weg in eine gesunde Zukunft geht darüber, Persönlichkeiten zu entwickeln, statt Prozesse zu optimieren. Gunter Dueck greift hier auf das japanische Konzept der drei Entwicklungsstufen vom Gesellen (Shu) über den Meister (Ha) zum Guru (Ri) zurück und erklärt deutlich, warum die menschliche Gesellschaft im Status „Shu“ stecken geblieben ist. Es klemmt am Schritt zum „Ha“.

Eine solche Einteilung in drei Entwicklungsstufen hat ein russischer Astronom vor langer Zeit einmal auch für die gesamte menschliche Zivilisation festgelegt. Auch hier scheint die Menschheit in der Stufe „eins“ festzustellenden und den Sprung zum Typ 2 nicht zu schaffen.

Aber dies und der Optimismus von Steven Hawking sind Themen für einen nächsten Blogeintrag. Comming soon.

Viel Freude beim Lesen und Nachdenken.

your future! your life! your philosution!

 


Tiefgreifende Veränderungen brauchen immer ihre Zeit. Einer wesentlicher Hebel dafür liegt in der Bildung. Welches Lied passt also besser zu diesem Eintrag, als der Klassiker von Pink Floyd? Die Schulen sollten Entrepreneurs hervorbringen, keine Ziegelsteine.

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