Der Lauf der Dinge.


Es passiert jeden Tag. Um nicht gar zu sagen ununterbrochen. Und trotzdem ein immer wieder schöner Anblick: ein Sonnenuntergang.

Sonnenuntergang_03

Warum verbinden wir mit der Energiequelle im All solch Gefühle, wie Romantik und Entspannung?
Vielleicht weil wir insgeheim damit im Hinterkopf unvorstellbare Kraft und unendliche Weite verbinden?

Seit Anbeginn der rückverfolgbaren Menschheitsgeschichte verbinden alle Kulturen mit dem Wärme spendenden Leuchtball am Himmel eine Art göttlicher Eigenschaften.

Eigentlich sollten wir beim Zuschauen, wie sich unser Planet allabendlich von seinem Zentralstern weg dreht, doch eher eine andere Empfindung verspüren. Eine, die für jeden von uns eine wesentlich zentralere Rolle spielt: das Vergehen der Zeit.

Während ein Erdentag in der Zeitrechnung der Sonne überhaupt keine nachweisbare Größenordnung darstellt, ist er für uns Menschen doch ein erheblicher Bruchteil unseres gesamten Daseins. Wir haben nur ein paar Jahrzehnte mit gerade mal 365 Stück davon zur Verfügung!

In meinem Schlafzimmer hängt eine irgendwann einmal bei einem namhaften schwedischen Möbelhaus mitgenommene Uhr an der Wand gegenüber meines Bettes. Dieses Suppenteller-große, silbergraue UhrTeil aus Metall ist nicht einmal sonderlich hübsch anzusehen. Nein, diese Uhr ist vor allen Dingen eins: mächtig laut. Das Gehäuse nimmt die Bewegungen des Räderwerkes in der Mitte auf und strahlt es mit deutlicher Erkennbarkeit in den Raum ab.

Wann immer jemand bei mir schläft, bekomme ich die Frage gestellt, wie ich denn bei dem Hintergrundgeräusch schlafen könne. Tick-Tack, Tick-Tack! Tick-Tack! Und jedes Mal aufs Neue erkläre ich, dass ich das Ticken als beruhigend empfinde. Angenehm, monoton, besänftigend. Wie schlimm wäre es denn, wenn ich es nicht mehr hören könnte?!

Eine Freundin brachte in einer dieser Unterhaltungen über die Uhr dann einmal das Argument ein, sie empfände das Ticken keineswegs als angenehm. Es signalisiere ihr um Unterbewusstsein allzu sehr, wie schnell und konstant und unwiederbringlich doch ständig die Zeit vergeht. Das Leben sei Sonnenuntergang_02zu kostbar, um es im Bett zu verbringen und den gleichmäßigen Arbeitstönen einer Uhr zuzuhören.

Ein damals von der Frau einfach dahin gesagter Satz, über den ich lange nachdachte. Ja, letztendlich bis zum heutigen Tag nachdenke. Und an den ich vor allen Dingen jedes Mal aufs Neue denke, wenn ich irgendwo auf der Welt einen Sonnenuntergang betrachte. Da geht sie hin. Die Sonne. Die Zeit.

Ein Grund für Wehmut? Aber keineswegs! Nur ein Anlass, sich über den vergangenen Tag ein paar Gedanken zu machen. Brachte er mich dem Leben näher, das ich gerne Leben möchte? Befinde ich mich auf dem richtigen Weg? Lebe ich so, wie ich mir mein Leben vorstelle? Wenn nein, warum nicht? Was hält mich auf?
Nicht über die Symptome sinnieren. Viel wichtiger ist es, sich der Ursachen zu widmen. WAS hält mich auf?

Zurück auf den richtigen Weg. Den Weg zu einem erfüllteren Leben. Das ist es doch, wo wir alle hin wollen.
Und wir haben die Macht, da auch hin zu kommen! Wir müssen es nur aktiv angehen. Nicht am nächsten Silvester. Nicht nächsten Monat. Nicht nächste Woche. Nein, jetzt. Sofort.
Allerspätestens jedenfalls, sobald der Feuerball auf der anderen Seite wieder am Horizont auftaucht!Sonnenuntergang_01

Ich mag Sonnenuntergänge. Ja, sie signalisieren ein Verschwinden. Einen Verlust. Aber sie zeugen auch von Kontinuität. Die Sonne kommt wieder. Immer wieder. Es geht weiter. Immer weiter. Jeder Tag wird somit zu einem besonderen Geschenk. Nutzen wir ihn doch einfach auch als solchen.

Denke selbst. Lebe jetzt. Du bist frei!
your philosution!


(philosution-musik-link zum Thema: der Sonnentanz von Klangkarussel.)